Braunfels 5. Mai 1950
Auszug eines Schreibens an den Braunfelser Verkehrsverein
Verfasser: H. Jockel
"...Beim Rückblick auf das seither Geleistete, betrifft hier die Förderung des Fremdenverkehrs in Braunfels, wurde vergessen das Schloss-Hotel zu erwähnen. Der spätere Fürst Georg, als
Prinz Georg und Prinz Albrecht ( Vormund unseres jetztigen Fürsten von 1891 bis 1901 ) haben mit dem Fideicommis die Aktiengesellschaft " Schloss-Hotel " ins Leben gerufen, mit dem Zweck, den Fremdenverkehr in Braunfels zu beleben. Sie sammelten mit viel Mühe und Überredung Aktionäre und Kapital und erbauten auf standesherrlichem Gelände 1886 das Hotel, den Bau aus Grünstein und Sandstein. Zu jener Zeit reichte der " Langässer Garten " von der Kirschenhohl bis zum heutigen katholischen Pfarrhaus und stand in Bearbeitung der Fürstlichen Gärtnerei unter der Leitung des Gartendirektors Barth aus Hannover. An Gehilfen zählte man 14 Männer und Frauen und zu jener Zeit bzw. vorher wurden auch viele seltene Bäume und Sträucher gepflanzt. Geschäftsführer des Schloss-Hotel´s waren zuerst Oberkammerrat Stephan und der Bergrentmeister Adam. Der Betrieb war verpachtet. Im Jahre 1891 habe ich zweimal mehrere Wochen auf Veranlassung der Fürstlichen Rentkammer im Schloss-Hotel gewohnt, während ich dem Prinzen Albrecht zuteil war, da ich damals der Einzige war, der die Stenographie beherrschte. Während meiner Einquartierung und der Verköstigung im Laufe des Sommers 1891, konnte ich feststellen, dass die damaligen Pächter oder Köche ungeeignet waren, der Koch mehr betrunken als nüchtern. Die Verwaltung hatte große Sorgen.
Da pachtete Johann Ferdinand Witkop seither in Weilburg im " Deutschen Haus " im Jahre 1893 das Schloss-Hotel.
Ich fand im folgenden Jahre aus dem hessischen Staatsdienst kommend, in Braunfels meine zweite Heimat und wurde bald bestimmt, wegen meiner Kenntnisse in der Kurzschrift, die Versammlungen der Aktien-Gesellschaft Schloss-Hotel zu Protokoll zu nehmen. So weiss ich seit 59 bzw. 56 Jahren Bescheid über das Hotel.
Die Aktionäre hofften stets vergebens auf Dividende. Der neue Pächter Witkop, ein tüchtiger und rühriger Fachmann, erklärte bald, dass ein erfolgreicher Betrieb mit Fremdenverkehr nur möglich sei, wenn das Gebäude vergrössert würde,seither hatte das Hotel nur 18 Zimmer. Die A.G. suchte wieder Kapital zusammen und baute 1896 das Fachwerkgebäude an, so dass dann mehr als 50 Logierzimmer zur Verfügung standen. Aus privaten Mitteln erbaute Johann Ferdinand Witkop die Villa Helene, kaufte nach und nach die Aktien auf und war von 1908 an Alleinbesitzer des Schloss-Hotels.
Witkops haben sich stets bemüht, Gäste heranzuziehen, und haben den Fremdenverkehr eigendlich in Gang gebracht. Das Vorwärtskommen wurde in den 1890er Jahren recht geneidet.
Weil auf dieser Seite noch Platz ist lasse ich noch folgen: ...aus dem Jahre 1891, als Prinz Albrecht zu einem Spansau-Essen eingeladen hatte, lernten auch Prominete das Schloss-Hotel kennen.
Erschienen waren: Prinz Albrecht, Bergrat Bellinger, Forstmeister Pfannkuchen, Oberkammerrat Stephan, Oberkammerat Bingel, Baumeister Seiler, Kammerkassierer Rentmeister Blum, Bergrentmeister Adam, Domainen-Rentmeister Kraft, Amtsrichter Dr. Schlieben und Criege, Gerichtsassessor Wallis, Medizinalrat Dr. Stephan, Dr. med. Höhnke, Hofapotheker und Gemeindevorsteher Pickhardt, Bürgermeister Weber, Katasterkontrolleur Broll, Postverwalter Stockmar und ich mit 19 Jahren.
Oberpfarrer Bingel und Pfarrer Bangel hatten sich entschuldigt und einen katholischen Geistlichen gab es noch nicht in Braunfels...............
Als ich im Januar 1894 nach Braunfels kam, erhielt ich gleich einen Strafzettel über 2 Mark, weil ich mich erst am 5. Tage statt bis zum 3. Tage angemeldet hatte und ich noch im selben Monat 4 Mark aufgebrummt bekam, weil ich bei der Einteilung zur Pflichtfeuerwehr die Polizeistunde übertreten und ruhestörenden Lärm verübt hatte. Da ich durch den Nachtwächter beweisen konnte, das Letzteres nicht der Fall war, blieb es bei den 2 Mark.............